Sprachprüfung Aviation English

Die Sprachprüfung, der "Language Proficiency Test", wird von vielen Piloten als lästig empfunden - man fliegt schließlich seit vielen Jahren und soll nun seine Sprachfertigkeiten unter Beweis stellen. Keine Sorge - die Sprachprüfung ist speziell auf die Bedürfnisse der Luftfahrt zugeschnitten und eigentlich lassen sich die erworbenen Sprachfertigkeiten auch im täglichen Leben gut nutzen. Die Sprachprüfung ist nun Bestandteil Ihres Lebens als Pilot und eine stetige Verbesserung der Englischkenntnisse sollte den selben Stellenwert haben, wie die Verbesserung von anderen Fertigkeiten, die uns heute selbstverständlich erscheinen.

 

Ihr Prüfer achtet auf:

  • die Aussprache
  • die Satzstruktur (Grammatik)
  • das Vokabular
  • wie flüssig Sie sprechen
  • ob Sie die Fragen verstehen
  • auf Ihr Verhalten im Gespräch, d.h. wie Sie mit Ihrem Gegenüber interagieren und auf Ihr Gegenüber eingehen

 

Wer sind Ihre Sprachprüfer?

Die Prüfungen werden derzeit für alle Sprachkompetenzniveaus, auch Level 4, immer von zwei Sprachprüfern bewertet. In der Regel nimmt der  "LPE" vor Ort die Prüfung ab und ersucht dann einen "LPLE" um die Zweitbewertung. 

 

Der Language Proficiency Examiner (LPE) ist der fliegerische Fachmann, muss aber neuerdings nicht unbedingt ein Fluglehrer oder Examiner sein. So werden auch Flugverkehrsleiter (ATC-Controller) als LPE eingesetzt, oder aber auch Piloten ohne Lehrberechtigung. Sie können also davon ausgehen, dass sich ihr LPE sehr gut in Ihre Lage versetzen kann und in der Lage ist zu beurteilen, was praxisrelevant ist. Wir arbeiten bereits mit einigen LPEs in den verschiedenen Regionen zuammen - auf Anfrage geben wir gerne Auskunft, wer in Ihrer Nähe ist. Eine umfangreiche Übersicht der in Österreich registrierten LPEs finden Sie auf der ACG Homepage, 

https://www.austrocontrol.at/piloten/pilotenlizenzen/pruefungswesen/sprachkompetenz

 

Der LPLE ist der Experte für die Sprache, der aber auch über genügend luftfahrtfachliches Hintergrundwissen vefügt, so dass während der Prüfung speziell auf Luftfahrtthemen Bezug genommen werden kann. Um einen möglichst einheitlichen Standard zu erzielen, ist die Zahl der LPLEs deutlich geringer. Eine Liste der in österreich regeistrierten LPLEs finden Sie ebenfalls auf der ACG-Homepage, 

https://www.austrocontrol.at/piloten/pilotenlizenzen/pruefungswesen/sprachkompetenz

 

 

Ist die Sprachprüfung ein Luftfahrt-Wissenstest?

Nein - ob Sie die aktuellen Vorschriften kennen, oder nach wie vor ein Fachmann in Aerodynamik und Flugmechanik, Wetterkunde und Luftfahrtpsychologie sind, wird nicht bewertet. Bei der Sprachprüfung stehen Ihre Aussprache, das Vokabular, die Grammatik im Vordergrund und nicht das theoretische Wissen, dass Sie seinerzeit für das Erlangen einer  Lizenz benötigt haben. Wenn ein LPE etwa die Flüssigkeit Ihrer Aussprache ("fluency") bewertet muss er erkennen, on Sie ins Stocken geraten, weil Sie gerade einen fachlichen Aspekt überlegen (und nachdenken müssen), oder , ob die Sprechpause auf Mängel in der Sprachkompetenz zurückzuführen sind.

 

 

 

Aus welchen Teilen besteht eine Sprachkompetenzprüfung?

Die Sprachprüfung besteht bei den derzeit in Österreich zugelassenen Testverfahren immer aus einem interaktiven Teil, der am Computer durchgeführt wird, und einem ca. 15-minütigen Interview. Beide Teile werden aufgezeichnet und von zwei Sprachprüfern (LPE und LPLE) bewertet. Der LPLE kann, muss aber nicht vor Ort sein (d.h. die Zweitbewertung darf abseits der Prüfung  durchgeführt werden.)

 

 

Was kann ich tun, wenn ich falsch bewertet wurde?

Hat der Kandidat das Gefühl falsch bewertet worden zu sein, so kann er ein Ansuchen um Überprüfung des Testergebnisses bei Austro Control GmbH, Stelle Sprachkompetenz, einrechen. Die ACG benötigt dazu

  • das vollständige Prüfungsprotokoll mit den Anhängen
  • eine schriftliche Begründung der Einwände

Die Behörde nimmt dann eine Überprüfung der Audio-Aufnahme und der Dokumentation vor. Ggf. wird der Antragsteller auch zu einem persönlichen Gespräch bei der Behörde eingeladen.

Die Behörde kann den ursprünglichen Level bestätigen oder aber eine Neubewertung durchführen.

 

 

 

 

Deutscher Eintrag - automatisch Level 6?

Reicht die österr. Staatsbürgerschaft für einen automatischen Eintrag eines "Level 6" in Deutsch? Nein - der LPE stellt im Zuge eines kurzen informellen Gesprächs fest, ob Sie einen Akzent oder Dialekt sprechen, der allgemein verständlich ist. Erst dann darf der Spracheintrag mit Level 6 erfolgen. Das informelle Gespräch wird im Feld "geprüfte Sprachen - Deutsch" auf dem Prüfungsprotokoll vermerkt. 

 

 

Gruppengröße

Sprachprüfungen werden immer individuell abgenommen - man ist mit dem Prüfer ungestört alleine.

 

 

Anzahl der Prüfer

Zur Zeit werden alle Sprachprüfungen von zwei Prüfern bewertet, einem LPE und einem LPLE. Bisher war die zweite Bewertung durch den LPLE nur für "Level 6" vorgeschrieben. 

 

 

Macht die Zweitbewertung Sinn?

Dies Zweitbewertung aller Sprachkompetenzprüfungen (auch Level 4)  wird zur Zeit in Foren und von Interessensvertretungen heftig diskutiert. Diese Regelung ist umstritten:

  • Gegen eine Zweitbewertung spricht der Umstand, dass alle anderen Bewertungen in der Luftfahrt, etwa Skill-Tests, LPC, OPC usw. von nur einem Fachmann (Examiner) bewertet werden. Kurzum: man vertraut diesem Experten und überprüft dessen Gutachten nicht grundsätzlich durch ein Obergutachten.
  • Für eine Zweitbewertung spricht der Umstand, dass ein fliegerischer Fachmann nur wenige Stunden Ausbildung erhält, um dann die Sprachkompetenz zu bewerten. Im Gegensatz dazu benötigt etwa ein Englischlehrer eine mehrjährige Ausbildung, um eine Bewertung der Sprachkompetenz abnehmen zu dürfen. Um systemimmanente Fehlbewertungen zu vermeiden macht es Sinn, einen LPLE beizuziehen. 
  • Gegen eine Zweitbewertung sprechen die etwas höheren Kosten, die mit dem Aufwand einer Zweitbewertung entstehen. 
  • Für eine Zweitbewertung, gerade bei L4 spricht der Umstand, dass in Grenzfällen (Kandidat liegt zwischen L3 und L4) eine unabhängige, zweite Meinung sinnvoll ist.

 

 

Qualitätssicherung durch die Behörde

Im Rahmen ihrer Aufsichtsfunktion nimmt die Austro Control GmbH standardmäßig Überprüfungen von Sprachkompetenzprüfungen vor. Sowohl die vorliegende Audio-Aufnahme als auch die eingereichte Dokumentation der Sprachkompetenzprüfung (vollständiges Prüfungsprotokoll) sind Gegenstand dieser Qualitätsüberprüfung.

 

 

Kann ich vor Ablauf des Kompetenzeintrags neuerlich zur Prüfung antreten?

Möchte ein Kandidat vor Ablauf der regulären Frist seines Sprachkompetenzeintrags (Level 4 - vier Jahre, Level 5 - sechs Jahre) zu einer Prüfung antreten, um einen höheren Level zu erreichen ("vorzeitiger Neuantritt"), so muss er die gesamte Prüfung im selben LAB (oder beim selben LPE/LPLE), in dem seine Prüfung abgenommen wurde, absolvieren. 

 

 

Wie bereite ich mich auf die Sprachprüfung vor ?

Die Hersteller der Prüfungssysteme (LPT, Language Proficiency Test) bieten die Möglichkeit, kostenlose und unverbindliche Einsicht in die Sprachprüfungssysteme zu nehmen.

Ganz allgemein ist es sinnvoll

  • Bildbeschreibungen mit Luftfahrtthemen einzuüben
  • Die englischsprachige Radiophraseologie aufzufrischen
  • Die englischen Bezeichnungen für Baugruppen am Flugzeug aufzufrischen
  • Das ICAO-Alphabet zu üben
  • Sich mit MAYDAY und PAN-Calls vertraut machen
  • Sich Antworten zu generellen Fragen zu überlegen, die im Interview gestellt werden könnten.

 

 

Kann ich die Prüfung im Ausland ablegen und das Ergebnis in Österreich anerkennen lassen ?

Nur die in Österreich von der Behörde anerkannten Testverfahren sind zulässig. Eine im Ausland durchgeführte Prüfung wird daher nicht anerkannt, es sei denn, das Testverfahren wurde anerkannt. Zum Testverfahren zählt nicht nur das Testsystem selbst, sondern der gesamte Ablauf und die administrative Abwicklung müssten ebenfalls als ein Teil des Testverfahrens anerkannt werden.

 

Anders ist es, wenn ein Sprachkompetenzeintrag bereits in der Lizenz eingetragen ist und diese ausländische Lizenz von der österr. Behörde anerkannt werden soll. Dann wird der Sprachkompetenzeintrag übernommen.

 

 

Was sind die häufigsten Mängel bei Sprachkompetenzprüfungen?

Wir haben eine Vielzahl von Prüfungen abgenommen. Folgende Mängel treten immer wieder auf:

  • Die Aufnahmequalität ist schlecht
  • Beim Interview ist nur der Kandidat, nicht aber der Prüfer zu hören
  • Es gibt Störgeräusche
  • Man hört, wie von einer dritten Person eingeflüstert wird
  • Man hat den Eindruck, dass die Antwort abgelesen wird
  • Man merkt, dass der Kandidat wenig Erfahrung im englischsprachigen Flugfunk hat
  • Die Antworten sind extrem kurz und lassen eine Bewertung nicht zu 
  • Das Formular ist falsch ausgefüllt (etwa Eintrag eines Sprachkompetenzniveaus bei den "holistic descriptors" anstelle von Häckchen)

Mit einem entsprechenden Briefing und guter Vorbereitung lassen sich diese Mängel leicht beheben.

 

 

Anmeldung

Anmeldung zu Kursen bitte per email an dieter.reisinger@flugsicherheit24.at.

 

 

Information zum Sprachtest (infowerke)

Beschreibung INFOWERKE Language Proficiency Test:

http://lpt.infowerk.at/index.php?menuid=4

 

 

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